Bioland-Hof Jäger



Durch und durch Heimat

Unser Haus ist mehr als 200 Jahre alt.
Wohnhaus

Über 200 Jahre ist unser Bauernhaus alt; es liegt in Greggenhofen, einem Ortsteil von Rettenberg im Oberallgäu. Über allem ragt der 1.740 Meter hohe Grünten, er gilt als Hausberg Rettenbergs und als "Wächter des Allgäus". Der Hof, das Dorf, die Nachbarn - das alles ist für mich Heimat. Hier bin ich, Anna Jäger, aufgewachsen.

Die Böden sind karg, das Klima launisch. Lange Winter, heftige Wetterumschwünge und intensive Niederschläge bremsen das Wachstum der Pflanzen. Viel lässt sich der Natur hier nicht abringen. So war auch der Hof meiner Eltern ein Betrieb, der von der Milchkuhhaltung lebte. Weideflächen gibt es hier draußen zwischen all den Hügeln genügend und so versorgen wir unsere Tiere seit jeher mit hofeigenem Futter.

Ein Neubeginn mit der ökologischen Landwirtschaft

Alles Futter stammt von unseren eigenen Flächen, auch das Heu.
Betriebsleiterin im Heulager

Obwohl wir acht Kinder waren, allesamt übrigens Mädchen, hat sich zunächst niemand gefunden, der in die elterlichen Fußstapfen treten und den Hof übernehmen wollte. Auch ich hatte der Landwirtschaft den Rücken gekehrt, hatte eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau gemacht und lebte mit meiner Familie in einer Wohnung in Rottach. Ich liebte es, "nach Hause" zu fahren - doch in Erinnerung an die harte Arbeit wollte ich nicht mehr in der Landwirtschaft tätig sein.

Das änderte sich vor elf Jahren. Meine Eltern standen kurz davor, den Hof aus Altersgründen aufzugeben und zu verkaufen und mir wurde klar, dass mein geliebtes Zuhause auf dem Spiel stand. Also bin ich mit meinem Mann Erwin und unseren Kindern Sebastian und Sarah zurück auf den Hof gezogen und wir haben die Landwirtschaft übernommen.

Noch drei Jahre lang haben wir die Milchkuhhaltung fortgesetzt, dann aber auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Zwar haben uns verschiedene Gründe dazu bewegt, aber besonders wichtig war für mich, von diesem Leistungsdruck wegzukommen. Die Tiere sind doch Lebewesen und keine Maschinen! Schon lange war ich überzeugt, dass es auf die Dauer nichts bringt, wenn sie nichts mehr gelten und nur noch jeden Tag so und so viel abwerfen müssen. Mit der Chemie denke ich ähnlich: Unser Boden wird nicht gespritzt, und wenn die Tiere mal krank sind, behandele ich sie homöopathisch. Etliche Kurse habe ich dazu schon besucht.

Nach oben

Vom Stolperstart zum Erfolg

Mit unseren ersten Kälbern sind wir genau in das BSE-Jahr 2001 hineingeraten. Obwohl das Fleisch streng geprüft und in Ordnung war, fanden wir keine Abnehmer. Wir haben die Tiere dann selbst geschlachtet und sind mit dem Fleisch von Haustür zu Haustür gefahren - oh, was waren das für Touren! Aber wir haben alles verkauft. Ein Jahr später konnten wir zum Glück dem Mutterkuhprogramm der Feneberg Lebensmittel GmbH beitreten. Das Unternehmen aus Kempten im Allgäu kauft Jungrinder und vermarktet ihr Fleisch unter der regionalen Bio-Marke VonHier.

Unsere Mutterkühe sind Allgäuer Braunvieh, Stier Napoleon hingegen kommt direkt aus Frankreich; er ist ein stolzer "Blonde d'Aquitaine". Wir haben die Milchkühe damals einfach übernommen und manche von ihnen sind inzwischen 16 oder sogar 18 Jahre alt. Da kommt es schon vor, dass sie in einem Jahr kein Kalb haben. Aber dann ist's halt so. Sie sind nunmal keine Maschinen. Bei keinem unserer Rinder haben wir die Hörner entfernt, was für uns zwar besondere Vorsicht im Umgang mit ihnen bedeutet, worauf wir aber großen Wert legen.

Nach oben

Die "Königin der Blumen" in unserem Garten...
Rosen
...der zwar Arbeit macht, aber auch viel Freude!
Betriebsleiterin im Garten
Unser Hüter von Haus und Hof!
Hund

Nach oben

Wie wir Land und Wald nutzen

Unsere Kühe genießen Weidegang auf den Allgäuer Bergwiesen.
Rinderherde

Wie gesagt verfüttern wir an die Tiere nur hofeigene Produkte; auf unseren 15 Hektar Grünland wächst genug Gras zum Weiden, zur Heugewinnung und für Cobs (getrocknetes und zu kleinen Stiften gepresstes Gras). Mit diesen Flächen nehmen wir auch am Landschaftspflegeprogramm KULAP teil. Dessen Kriterien wie Verzicht auf künstlichen Dünger und festgesetzte Anzahl an Vieh pro Hektar Weideland erfüllen wir allemal.

Die Einstreu im Stall kommt von unseren Streuwiesen. Bei der Betreuung dieser zwei Hektar Nasswiesen erhalten wir Unterstützung vom Landratsamt Oberallgäu im Rahmen eines Naturschutzprogramms. Sie werden nur einmal im Jahr geschnitten, aus Rücksicht auf die dort lebenden Pflanzen und Tiere. Diesen Schnitt nutzen wir als Einstreu.

Aus den drei Hektar Wald, die zum Hof gehören, gewinnen wir das Holz zum Heizen und Kochen in der Küche sowie für den Kachelofen im Wohnzimmer. Ansonsten nutzen wir Gas und Solarenergie, um Räume und Wasser zu erwärmen.

Nach oben

Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich die Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer D-BY-006-40688-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

Nach oben

Die Männer auf dem Hof

Mein Mann Erwin ist gelernter Elektrotechniker und arbeitet seit vielen Jahren in diesem Beruf. Außerdem hat er vor einigen Jahren die Prüfung zum staatlich anerkannten Musiklehrer abgelegt und gibt an drei Tagen pro Woche Musikunterricht. Trotz dieser Interessen, die so gar nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, hat er meine Entscheidung, den Hof zu übernehmen, voll und ganz mit getragen. Er unterstützt mich, wann immer er kann. Zugleich sind seine Einkünfte als Musiklehrer und Elektrotechniker für uns ein wichtiges zweites Standbein.

Besondere Hilfe erfahren wir von meinem Vater, Franz Albert Schiebel. Er packt überall mit zu - wohingegen bei unseren Kindern noch nicht so das Feuer für Hof und Landwirtschaft entfacht ist. Aber wir hoffen, dass wir die Begeisterung noch wecken können. Immerhin hat unser Sohn Sebastian als Zivildienstleistender Erfahrungen gesammelt in einem Waldkindergarten und auf einem ökologisch geführten Bauernhof.

Seite drucken
© 2005-2017   |   bio-mit-gesicht.de   |   Impressum   |   Datenschutz   |   Kontakt zur Initiative   |   Startseite bio-mit-gesicht.de