Bioland-Hof Baumeister



Ein namhaftes Anwesen

Den Hof habe ich, Wilhelm Baumeister, von meinen Eltern übernommen.
Betriebsleiter vor Strohballen

Willkommen in Kammeltal an einer Hofstelle, die voller Geschichte steckt! Schon 1512 wurde das Anwesen erstmals urkundlich erwähnt; über Jahrhunderte hat hier der Bader des Ortes sein Handwerk betrieben. Im Jahr 1802 haben meine Vorfahren diese Stelle übernommen und praktizierten als so genannte „Chirurgen“, also als Bader mit handwerklicher Ausbildung.

1880 gab meine Familie diesen Beruf auf und ging zur Landwirtschaft über. Was als kleine Sölde begann, also eher das Zubrot als den Hauptverdienst einbrachte, wuchs über die Jahrhunderte zu einem Gemischtbetrieb von ansehnlicher Größe, wie sie damals in Schwaben üblich waren: Milchvieh, Hühner, Schweine und dazu Ackerbau mit Gemüse und Getreide.

Heute bewirtschaften ich, Wilhelm Baumeister, und meine Frau Gertrud rund 45 Hektar Land. Als Öko-Betrieb achten wir auf artgerechte Tierhaltung und die umweltfreundliche Bewirtschaftung des Hofes. Wir produzieren Bio-Milch und erzeugen Futterpflanzen sowie Getreide.

In all das hineingewachsen

Ein Öko-Gärtner gab den Anstoß, dass ich den Hof 1992 auf ökologischen Landbau umstellte.
Betriebsleiter im Getreidefeld

Kammeltal ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Günzburg. Die Landschaft mit ihren Urstromtälern ist ruhig und idyllisch, und durch unser Tal schlängelt sich die Kammel noch in ihrer ursprünglichen Form. Der Hof liegt im Ort nicht weit vom Fluss entfernt, denn das Wasser war für die Bader sehr wichtig. In all das bin ich hineingewachsen und habe 1979 den Hof übernommen.

Nach der landwirtschaftlichen Ausbildung habe ich den Beruf des Maschinenschlossers erlernt, dann ein Studium als Ingenieur absolviert und wurde schließlich Konstrukteur für Landmaschinen. Damals wurde ich am Hof nicht in Vollzeit gebraucht, da meine Eltern die meiste Arbeit stemmten.

Je mehr ich mich ab 1986 im Pflugbau spezialisierte, desto intensiver setzte ich mich mit dem Boden und seiner Beschaffenheit auseinander. Schon damals beschäftigte ein Problem die Landwirte und Experten: In vielen intensiv bewirtschafteten Böden sinkt der Humusanteil, wird der Unterboden verdichtet, und Mikroflora und -fauna schrumpfen auf ein Minimum zusammen.

Diese Problematik weckte mein Interesse am ökologischen Landbau, wo sich solche Probleme nicht zeigten. Anfang der 1990er-Jahre überzeugte mich ein Zusammentreffen mit einem Öko-Gärtner. Kurz darauf, 1992, stellte ich unseren Hof um. Meinen Beruf gab ich auf und stieg komplett daheim ein, ohnehin hatten meine Eltern ein Alter erreicht, wo sie sich langsam zurückziehen wollten.

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Erfolgreich durchgestartet

Wir sind ein echter Familienbetrieb: Jeder packt mit an, wo er gebraucht wird.
Betriebsleiter mit Ehefrau am Traktor

Ein damals vom Freistaat Bayern angeschobenes Öko-Programm erleichterte mir die Entscheidung. Denn obwohl ich alles genau durchkalkuliert hatte, spürte ich doch auch Angst, zum Beispiel mit dem Unkraut nicht klarzukommen. Deshalb bildete ich mich bei vielen Tagungen und Veranstaltungen weiter, und es gelang mir, schon im ersten Jahr erfolgreich zu starten.

An den wirtschaftlichen Standbeinen des Hofes habe ich nicht viel geändert: Er ist noch heute als Mischbetrieb aufgestellt. Wir halten rund 20 Milchkühe und betreiben Ackerbau. Unser Fleckvieh eignet sich als Zweinutzungsrasse: Zur Milchleistung kommt ein gutes Fleisch. Deshalb verkaufen wir die Kälber an Öko-Mastbetriebe weiter.

So nutzen wir unsere Flächen zur Hälfte als Wiesen, für die Grünfütterung im Sommer sowie zur Gewinnung von Silage und Heu für den Winter. Die andere Hälfte ist Ackerland, wo wir Getreide und Futterpflanzen anbauen. Hier bringen Klee und Ackerbohne Stickstoff in den Boden, so dass Dinkel, Weizen und Roggen besser gedeihen können. Auch Hafer und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, bauen wir an. Eine gut ausgeklügelte Fruchtfolge ist wichtig für die Bodenfruchtbarkeit und die Erträge.

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer D-BY-006-41569-A geführt wird.

Weitere Informationen:

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Holz-Kopf mit Leidenschaft

Das Holz aus unserem eigenen Wald nutzen wir zum Bauen und zum Heizen.
Betriebsleiter mit Traktor auf einem Feldweg am Waldrand

Meinen Beruf als Konstrukteur habe ich nie ganz aufgegeben, denn der Austausch mit Kollegen und Fachleuten bedeutet mir viel. Den Hof habe ich inzwischen in eine GbR umgewandelt, damit ich meinen Sohn daran beteiligen kann: Wilfried hat wie ich zwei Berufe gelernt, Metallfacharbeiter und Wirtschafter für ökologischen Landbau. Unser zweiter Sohn Franz ist Landmaschinenmechaniker und Maschinenbau-Ingenieur.

Noch eine weitere Veränderung habe ich umgesetzt: Den Waldbestand am Hof habe ich auf zwölf Hektar vergrößert, und statt Monokultur wächst darauf ein gesunder Mischwald. Hier gehe ich nicht nur mit überzeugendem Beispiel voran, sondern betreibe auch viel Aufklärung. Als Vorstand einer Holzvermarktungsorganisation im Landkreis Günzburg komme ich oft mit Leuten zusammen, genieße den Austausch, gebe mein Wissen weiter und konnte schon viele für diese Waldform begeistern. Ich selbst schlage jährlich 100 Festmeter, die dann in den Verkauf gehen.

Aus unserem Holz haben wir auch zwei Mietwohnungen gebaut, ganz ohne Leim und Chemie. Außerdem heizen wir unser eigenes Haus komplett mit Holz. Daneben nutzen wir Sonnenenergie: zur Warmwassergewinnung und zum Einspeisen von Strom ins Netz. Die Mietwohnungen werden mit der Abwärme einer Biogasanlage beheizt.

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Alles hängt miteinander zusammen

Unser Engagement für den Naturschutz geht auch über die Hofgrenzen hinaus.
Betriebsleiter mit Ehefrau in blühendem Getreidefeld

Außer unserem Wald haben wir zwar keine weiteren Öko-Flächen oder Biotope am Hof, doch als Gemeinderat war ich Mitinitiator für ein Wasserschutzgebiet. Es geht um das Land rund um unseren Dorfbrunnen: Die 4,3 Hektar große Streuobstwiese muss bewirtschaftet werden, damit sie erhalten bleibt, darf aber nicht gedüngt werden, damit das Brunnenwasser nicht belastet wird. Für ihre Pflege haben wir den Zweckverband zur Wasserversorgung der Kammelgruppe gegründet. Wir nutzen die Obstwiese zur Heugewinnung, als Strukturfutter während der Sommerfutterperiode.

Neben dem Boden interessiere ich mich schon immer sehr für Wasser und Wasserqualität, denn alles hängt miteinander – und mit der Landwirtschaft – zusammen. Ehrenamtlich bin ich nicht nur Gemeinderat, sondern engagiere mich auch im Vorstand dieses Zweckverbandes. Daneben war ich mehrere Jahre Dritter Bürgermeister von Kammeltal.

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