Bioland-Hof Hengge



Ein wenig anders als die andern

Den Hof habe ich 1995 auf ökologischen Landbau umgestellt.
Betriebsleiter neben Traktor

Unser Hof in Argenbühl, einer Gemeinde im württembergischen Allgäu, ist ungewöhnlich klein für einen landwirtschaftlichen Betrieb. Meine Frau Stefanie und ich, Wilhelm Hengge, halten nur zehn Milchkühe. Schon mein Vater, von dem ich den Hof 1985 übernommen habe, hielt nur um die zehn Rinder. Die Landwirtschaft macht uns Spaß, deswegen wollten wir sie nicht aufgeben. Aber das bedeutet – zumindest für mich – einen anstrengenden Spagat, den Hof am Leben zu halten und doch zusätzlich noch etwas Geld zu verdienen. Wir betreiben Milchviehhaltung und nebenher arbeite ich in einer nahe gelegenen Käserei.

So beginnt jeder Tag für mich früh um fünf Uhr. Dann versorge ich die Kühe im Stall, bevor ich Punkt sieben Uhr meine Arbeit als Käseschmierer beginne. Bis Mittag bin ich in der Käserei, und nach dem Essen geht es daheim am Hof in Stall und Scheune, auf den Wiesen oder im Büro weiter. An manchen Sommertagen, wenn zum Beispiel Heu gemacht wird, komme ich erst nach 23 Uhr abends ins Bett. Stefanie ist daheim die gute Seele: Sie kümmert sich ums Haus, den Garten und den Haushalt, sie kocht und hilft mir, soweit sie kann, in der Landwirtschaft.

Glückliche Kühe auch ohne Vorschriften

Auf unseren elf Hektar Grünland gibt es immer etwas zu tun. Das Frühjahr beginnt mit dem Abstecken der Weiden für die Kühe, denn sie verbringen die gesamte warme Jahreszeit im Freien. Erst wenn die Wiesen von Schnee bedeckt sind, bleiben die Tiere im Stall. Neben der Weidepflege gehört das Mähen zu unseren Routineaufgaben: Im Frühjahr dauert es nie lang, bis das Gras so hoch steht, dass wir es mähen können. So gewinnen wir Heu, mit dem die Kühe im Winter versorgt werden. Insgesamt mähen wir drei- bis viermal im Jahr; die zweite und die folgende Mahd nennt man hier in der Gegend Öhmd. Einen Teil lassen wir auch trocknen und zu sogenannten Grascops pressen. Das alles gibt ein kräuter- und aromareiches Futter für den Winter.

Auf diese Art haben wir schon vor der Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft gearbeitet: nah am Tier und mit der Natur. Ganz ohne Öko-Vorschriften war es für uns selbstverständlich, dass die Kühe soviel wie möglich draußen sein können. Außerdem sind wir schon lang ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausgekommen. Ich arbeite gern nach meinem eigenen Kopf, und so habe ich mich schon ein wenig gesträubt, als damals Kollegen in der Käserei meinten: "Hey, du solltest auf Öko-Landbau umstellen." All die Regeln und Vorgaben, das war eigentlich nicht meine Welt.

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Wer Bio-Käs' schmiert, sollte umstellen

Kurze Transportwege sind ökologisch. Die Milch unserer Kühe wird in der Region weiterverarbeitet.
Betriebsleiter entnimmt Milch aus Kessel

Andererseits hatten meine Kollegen ein schlagkräftiges Argument auf der Hand: Wer für eine Öko-Käserei arbeitet, sollte selbst ein Öko-Landwirt sein. Ich liebe meine Arbeit in der Käserei Zurwies. Seit 1990 wird hier Bio-Käse hergestellt und seit 1993 gehöre ich mit zur Mannschaft. Anfangs war ich Betriebsmechaniker, später dann für das Käse schmieren zuständig. Pro Tag stämme ich Tausende von Käselaiben, nehme sie aus den Regalen und wende sie oder ich reibe sie rundum mit einer Lauge ein, die ihnen ihr künftiges Aroma verleiht und ihre Reifung beeinflusst. Dieses Einreiben nennt man auch "Käse schmieren".

Alle Lieferanten der Käserei Zurwies sind Öko-Bauern – und alle, einschließlich mir, sind direkte oder nahe beieinander lebende Nachbarn. Man kennt sich, man schwatzt miteinander, man tauscht sich aus. So kam es, dass ich mich habe überzeugen lassen und 1995 auf Öko-Landwirtschaft umgestellt habe. Obwohl ich gemäß den Bioland-Verbandsrichtlinien arbeite, mache ich den Demeter-Bauern einiges nach. In diesem Öko-Verband gelten ein paar weitere Regeln: Mir gefällt es zum Beispiel, wie die Bauern sich nach den Mondphasen richten. Das sind Kniffe, die ich inzwischen selbst gern anwende, unter anderem beim Mist ausbringen oder Klauen schneiden. Unsere Kühe tragen auch alle Hörner, ich könnt's mir einfach nicht vorstellen, sie ihnen abzuschneiden.

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Kleiner Hof und große Vielfalt

Mit verschiedenen Naturschutzmaßnahmen rund um den Hof tragen wir zum Erhalt unserer schönen Landschaft bei.
Betriebsleiter hält Katze im Arm

Schon seit Vaters Zeiten pflegen wir eine Streuwiese und eine Streuobstwiese. Beide Flächen sind sehr artenreiche Biotope. Eine Streuwiese dient der Erzeugung von Einstreu: Weil ihr Untergrund feucht ist, wachsen darauf Pflanzen, die die Nässe gut aufnehmen. Diese Eigenschaft bewährt sich natürlich im Stall. Die Wiesen werden nicht gedüngt und erst ab September gemäht – oft von Hand, denn schwere Maschinen versinken leicht in den nassen Böden. Indem ich meine Wiesen pflege, gewinne ich nicht nur eine gute Einstreu. Ich erhalte damit einen Wiesentyp, den es heutzutage immer seltener gibt.

Genauso verhält es sich mit der Streuobstwiese. Im Gegensatz zu den gängigen Obstplantagen wachsen hier die Obstbäume hochstämmig und darunter steht eine Wiese, auf der die Rinder weiden können. Ich verwende keine chemisch-synthetischen Dünger oder Pflanzenbehandlungsmittel, gewinne aber ein Obst mit einem ausgezeichneten Geschmack, das als Bio-Obst oder Bio-Most in den Handel geht. Um die 40 Bäume, viele verschiedene Sorten, alte und junge, gehören zur Wiese und bilden eine kleine Welt, in der viele Pflanzen und Tiere Unterschlupf finden. Auch hier erhalte ich ein Biotop, das andernorts immer mehr verschwindet.

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer De-BW-006-13833-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

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Was außerdem bei uns passiert

Nicht zuletzt gehören zum Hof zwei Hektar Wald. Sein Holz nutzen wir zum Heizen und Kochen, ein bisschen geht auch in den Verkauf. Außerdem greifen wir noch an anderer Stelle auf erneuerbare Energie zurück: Unser Wasser erwärmen wir mithilfe von Solarkraft, daneben erzeugen wir mit einer Fotovoltaik-Anlage Strom, der ins öffentliche Netz gespeist wird.

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