Demeter-Hof Rall



Neuen Ideen stets aufgeschlossen

Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen und führe den Hof meiner Eltern weiter.
Hofansicht mit Wohnhaus

Unser Hof steht in Niederwangen, einem Ort, der zur Stadt Wangen im Allgäu gehört. 15 Hektar Land umfasst der Betrieb, und die sind auf sechs Parzellen verteilt. Zwar liegt der größte Teil am Hof, doch einige Flächen befinden sich weiter weg, zum Teil einige Kilometer entfernt. Unsere Kühe kann ich dorthin nicht zum Weiden treiben, das wäre einfach zu weit. Deshalb suche ich immer wieder nach Ideen, wie sich diese Flächen am besten nutzen lassen und experimentiere mit den verschiedensten Möglichkeiten.

Mein Name ist Gerhard Rall, und ich lebe zusammen mit meinen Eltern Maria und Xaver am Hof. Seit 1988 leite ich den Betrieb, 1999 habe ich ihn übernommen. Schon immer haben wir Milchkühe gehalten, doch führten wir den Hof lange Zeit auf der konventionellen Schiene. Ab Mitte 1997 haben wir die Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft eingeleitet und sind im Jahr 2000 dem Demeter-Verband beigetreten.

Aufgeschlossenheit und Experimentierfreude treiben mich schon immer an, und so führte mich die Neugier zur biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Ich hatte gehört, wie Demeter-Bauern mit Präparaten arbeiten, und dass sich das positiv auf Boden und Pflanzen auswirken soll. Das wollte ich ausprobieren und kam so zu vielen spannenden Anregungen – und zu meiner Verbandsmitgliedschaft. Seit 2007 versuche ich mich im Ackerbau: Anfangs habe ich Hanf gepflanzt; das ist meiner Meinung nach die wertvollste Nutzpflanze, die es gibt. Seit 2008 teste ich sehr erfolgreich Waldstaudenkorn, ein Urgetreide mit wertvollen Inhaltsstoffen. Zum Hof gehört neben der Rinderherde ein munteres Volk von 40 Hühnern.

Milchviehhaltung mit Respekt vor den Tieren

Ein Schild weist darauf hin: Unsere Kühe tragen Hörner.
Betriebsleiter zeitg auf Schild des Arbeitskreises

Das Experimentieren macht mir viel Spaß, und ich sehe es eher als Hobby. Mein Hauptberuf ist die Milchviehhaltung. So um die 17 Rinder umfasst unsere Herde, auch ein Stier ist stets dabei. Sie alle dürfen ihre Hörner tragen. Ihre Milch ist von hoher Qualität, weil die Kühe art- und bedarfsgerecht gefüttert werden.

Im Sommer gibt es frisches Gras und viele Kräuter von unseren Wiesen, denn die Tiere verbringen Tag und Nacht draußen. Von den Flächen, auf denen nicht geweidet wird, gewinne ich das Futter für den Winter: Heu (so heißt der erste Schnitt der Wiesen), Öhmd (so heißen der zweite und die folgenden Schnitte) sowie Grascops (das ist getrocknetes und zu Pellets gepresstes Gras).

Bis zur Molkerei ist es nicht weit: Sie liegt ebenfalls in Wangen.
Betriebsleiter beaufsichtigt Abholung der Milch

Bei soviel gesunder Kost sind die Rinder selten krank. Wenn doch einmal eines der Tiere erkrankt, setze ich oft homöopathische Mittel ein. Außerdem achte ich im Umgang mit den Tieren stark auf den Stand des Mondes, zum Beispiel beim Klauen schneiden: An bestimmten Tagen verhalten sich die Kühe weniger wild und die Klauen sind nicht zu hart.

Außerdem verwende ich gerne Steinmehl aus Diabas, gemahlenes Urgestein, das viele Mineralstoffe und Spurenelemente enthält. Ich nehme es, wenn die Kälber Durchfall haben, und zur Aufbesserung der Einstreu im Stall. Ebenso bringe ich es auf die Böden im Garten und auf den Wiesen durch die nicht riechende Gülle aus. Daneben nutze ich vom Verband empfohlene Demeter-Präparate.

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Mit grünem Daumen und Nachbarschaftshilfe

Der Hausgarten versorgt uns fast das ganze Jahr hindurch mit frischem Gemüse.
Betriebsleiter vor Hausgarten

Im Garten habe ich Hügelbeete angelegt; ihren Namen haben sie durch ihre Form. Dort ziehe ich Salate, Rüben, Brokkoli und andere Gemüsearten. Außerdem habe ich rund ums Haus viele Beeren- und Obstsorten gepflanzt und pflege eine gut 100 Bäume umfassende Streuobstwiese. Hier wachsen seit Jahrzehnten die verschiedensten Sorten: Alte, wetterstarke und aromareiche stehen neben den jüngeren. Zuletzt habe ich einige Kirschbäume dazugesetzt. Streuobstwiesen wie diese bedürfen einer besonderen Pflege, denn sie gelten als artenreiche, schützenswerte Biotope.

Ihr Obst wird im Herbst von Hand aufgelesen. Da helfen mir zum Glück die Nachbarn, denn allein wäre das kaum zu schaffen. Oft kommen auch Bekannte vom hiesigen Tauschring, denn ich bin Mitglied in diesem Netzwerk der Nachbarschaftshilfe. Die Bezahlung erfolgt nicht mit Geld, sondern meine Helfer erhalten zum Beispiel etwas von der Ernte als Dank. Das restliche Obst geht in den Verkauf, nur ein wenig behalten wir für uns und bereiten Saft daraus.

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Engagement über die Hofgrenzen hinaus

Doch nicht nur über den Tauschring bin ich an die Dorfgemeinschaft angeschlossen. Ich spiele Trompete in der örtlichen Musikkapelle und bin Peitschenknaller im Trachtenverein. Einmal im Monat kommen die Leute auch am Dorfbackhäuschen zusammen, wo jeder seinen mitgebrachten Teig zu Brot backen kann. Da ich selbst Dinkel und Waldstaudenkorn angebaut habe, sind meine Speicher mit Getreide so gut gefüllt, dass ich regelmäßig zum Brotbacken gehe.

Daneben habe ich mich der Allgäuer Initiative "Der faire Milchlieferant" angeschlossen, einer Aktion, wo die übergreifende Solidarität im Mittelpunkt steht. Sie richtet sich an uns Milcherzeuger und unser Verantwortungsgefühl: Indem wir die Lieferquote einhalten oder sogar weniger liefern, möchten wir auf ruhigem Weg ganz ohne politische Vorgaben und Verbandsdiskussionen ein Umdenken anschieben. Ich habe keine Übermengen geliefert und bin überzeugt: Wenn das jeder machen würde, hätten wir andere Milchpreise.

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Demeter-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer De-BW-022-01037-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

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