Naturland Hof Kurzenknabe



Getreideanbau in artenreicher Natur

Albert Kurzenknabe ist beruflich eingespannt zwischen Bank und Hof.
Betriebsleiter vor Hofstelle bei Schlepper

Gegensätzlicher könnten die Arbeitsplätze eines Landwirtes nicht sein: Tagsüber als Sparkassenangestellter in Vollzeit arbeiten und abends den Hof versorgen. Für Albert Kurzenknabe aus dem kleinen Dorf Sielen im Weserbergland ist das Alltag. Während seiner Ausbildung zum Junglandwirt lernte Kurzenknabe im Unterrrichtsfach Volkswirtschaft die Dienstleistung als expandierende Säule der Volkswirtschaft kennen. Fasziniert von diesem Sektor, absolvierte er danach noch eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Im Jahr 1977 übernahm Kurzenknabe von seiner Mutter den Hof, der über zwei Generationen fest in Frauenhand war. Und so kam es, dass er bis heute zwei Berufe ausübt, wobei er den Hof im Nebenerwerb bewirtschaftet.

Die Kalkmagerrasen an den Hängen der Diemel gehören zu den artenreichsten Biotopen in Hessen mit seltenen Pflanzen, wie Orchideen, und seltenen Insekten, die an das karge Leben dort angepasst sind. Im Diemeltal leben rund 80 verschiedene Falter- und Schmetterlingsarten, die ihre Existenz unter anderem den milden Temperaturen in dieser Region zu verdanken haben. Der Flussverlauf der Diemel und die Talaue mit teilweise renaturierten Altarmen prägen das Landschaftsbild. Im Diemeltal besteht der besonders fruchtbare Auenschwemmboden aus sandigem Lehm. Hier betreibt Albert Kurzenknabe Ackerbau nach Naturland Richtlinien. Rund zwei Drittel seiner Flächen liegen im Landschaftsschutzgebiet.

Albert Kurzenknabe schwärmt: "Wenn die Luzerne blüht, dann profitieren die Pflanzen von der Bestäubung durch die zahlreichen Wildbienen und Hummeln. An warmen Tagen ist auf dem ganzen Acker ein wunderbares Summen zu hören."

Pflanzenschutz nach ökologischen Prinzipien beginnt mit einem gesunden Boden.
Luzernefeld
Schädlinge und Beikraut werden bewusst toleriert, solange sie nicht dominieren.
Betriebsleiter neben Ackerrandstreifen
Die weiten Reihenabstände ermöglichen den Einsatz der Hackmaschine.
Ackerbohnen in weiter Reihe

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Natürliche Begrenzung von Beikraut und Schädlingen

Wie der Regenwurm, so lockert auch die tief wurzelnde Luzerne den Boden.
Luzernewurzel in der Hand des Betriebsleiters

Im Jahr 1993 hat Albert Kurzenknabe seinen Betrieb auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Mittlerweile baut er auf 23 Hektar Fläche Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer und Leguminosen an. Diese Anbauvielfalt führt zu einem Auf- und Abbau der im Boden enthaltenen Nähr- und Mineralstoffe. Dadurch bleiben sie darin langfristig erhalten. Auch Unkräuter können weniger überhandnehmen, wenn die angebaute Feldfrucht ständig wechselt. Sie werden insbesondere durch die unterschiedlichen Arten und Zeitpunkte der Bodenbearbeitung sowie durch den Einsatz von Striegel und Hackmaschine reguliert.

Ein aktiver, belebter Boden ist robust gegenüber Krankheiten und bringt hochwertige Erzeugnisse hervor. Mit vielfältigen Maßnahmen schafft Kurzenknabe die Voraussetzungen dafür: Er düngt den Boden mit organischer Substanz. Schafe weiden das saftige Luzernegras im Herbst ab, wobei die in ihrem Mist enthaltenen Nährstoffe dem Boden zugutekommen.

Schlupfwespen und andere Nützlinge finden in Steinhaufen und Hecken Zuflucht.
Steinhaufen mit Hecke

Mit dem Anbau von Ackerbohnen und Luzerne werden wichtige Nährstoffe an den Boden zurückgeführt, die ihm mit der Ernte der Hauptfrüchte - bei Kurzenknabe das Getreide - verloren gehen. Das Wurzelwerk der Pflanzen sorgt zudem für eine optimale Durchlüftung und Wasserversorgung.

Im ökologischen Landbau ist die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenbehandlungsmitteln verboten. Daher muss ein Öko-Landwirt ein stabiles Gleichgewicht schaffen, in dem Schädlinge durch verschiedene Gegenspieler auf natürliche Weise in Zaum gehalten werden. Diese sogenannten Nützlinge finden in Hecken und Feldgehölzen, Feldrainen und Blühstreifen rund um dem Hof Lebensräume mit Nahrungsangebot und Rückzugsmöglichkeiten.

Öko-Landbau bedeutet viel Handarbeit: Disteln im Bestand werden mit dem Distelstecher entfernt.
Arbeiten mit Distelstecher im Getreidebestand
Der ausgebrachte Mist soll neben der Düngung der Pflanzen auch die Blattrandkäfer abschrecken.
Betriebsleiter prüft Schädlingsbefall
Albert Kurzenknabe in seinem Getreidelager, in dem die Ernte von seinen Äckern aufbereitet wird.
Betriebsleiter im Getreidelager

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Es gilt: Qualität vor Quantität

Der ökologische Landbau ist für Albert Kurzenknabe eine Herausforderung. Der Tüftler schraubt bis spät abends an seinen Maschinen. So hat er schon eine Hackmaschine und eine Sämaschine selbst gebaut. Bei der Anbautechnik hat er für sich das Weite-Reihe-Verfahren entdeckt. Dieses Verfahren unterstützt das Bestreben, Weizen mit sehr guten Backqualitäten zu erzeugen. Im Getreideanbau werden dabei Reihenabstände von in der Regel 30 bis 50 Zentimetern eingehalten. Dabei verteilt sich der im Boden begrenzt vorhandene Stickstoff auf weniger, aber einen dafür qualitativ höherwertigen Ertrag.

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Kontrolle und Zertifizierung

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch der Naturland Hof von Albert Kurzenknabe mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Naturland Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der der Betrieb unter der Kontrollnummer D-HE-005-9549-A geführt wird.

Weitere Informationen:

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