Bioland-Hof Schindele



Wenn der Vater mit dem Sohne

Der Kirnachhof liegt im Ostallgäu, nicht weit vom Elbsee.
Hofansicht

Der Kirnachhof liegt auf halber Strecke zwischen Unterthingau und Aitrang im Ostallgäu, nicht weit vom Elbsee. Wer von der Straße abfährt, steht schon fast mitten im Hof. Nur den kleinen Fluss vorm Haus, die Kirnach, gilt es noch zu überqueren. Vater und Sohn schaffen hier gemeinsam: Während der Hof für Theo Schindele einen Vollerwerb bedeutet, unterstützt Michael ihn vorerst nur halbtags. Er hat noch zu viel vor, als dass er sich schon komplett binden wollte: So führt ihn seine Reiselust nach Neuseeland oder Südamerika, wo er unter anderem auch die dortige Landwirtschaft kennenlernt. Doch die beiden sind sich einig: 2009 gründeten sie eine GbR und führen seither den Hof gemeinsam.

Gern ermöglichen die Eltern dem Junior das Reisen: "Wo sonst kann er so viel Erfahrung sammeln?" Sie selbst sind Menschen, die vieles hinterfragen. Theos kritischer Blick brachte ihn schon Ende der Siebzigerjahre auf den Gedanken, dass es doch eine Alternative zur konventionellen Landwirtschaft geben müsse. Lange verglich er, was mit welcher Methode möglich ist – und stellte seinen Hof 1981 auf den Öko-Landbau um. "Bio hat mir besser gefallen", fasst er zusammen. Seit 1984 ist sein Hof Bioland-zertifiziert.

Außer Theo und Michael leben auf dem Hof noch Theos Frau Gertrud, von Beruf Steuerberaterin, und die jüngste Tochter, Michaels Schwester Martina. Die Älteste, Andrea, wohnt in Lindau.

Milchviehaltung modern und artgemäß

Wie Michael kam Theo als Erstgeborener zur Welt und wusste schon früh, dass er später den Hof weiterführen würde. Nur gab es einen wesentlichen Unterschied: Seine Eltern hatten den Betrieb 1959 vom Dorf hinaus auf die Wiesen verlegt, um genügend Platz zu haben. Sohn Michael kann zwar ohne Ortswechsel in Vaters Fußstapfen treten. Trotzdem hat sich schon viel geändert, seit er dabei ist. Als Stichworte nennt er Kurzrasenweide und saisonale Blockabkalbung. Das neue Weidesystem bedeutet, dass die Kühe immer schon zeitig auf die Wiesen gelassen werden - noch bevor das Gras richtig hoch steht. So werden die Flächen gleichmäßiger über die ganze Vegetationsdauer abgeweidet.

Über die saisonale Blockabkalbung lenken die beiden, dass die Kühe ihren Nachwuchs von Januar bis März zur Welt bringen und so gerade dann viel Milch geben, wenn die Weidezeit läuft. Im Sommer bekommen die Rinder nur das frische Gras der Wiesen. Bei all den verschiedenen Pflanzen die darauf wachsen, bietet sich den Tieren genügend gesunde Abwechslung. Im Winter erhalten sie Heu (so heißt der erste Schnitt der Wiesen), Grummet (so heißen der zweite und die folgenden Schnitte) sowie Silage (durch Milchsäuregärung konserviertes Grünfutter) - gutes Futter, das die zwei Landwirte ausschließlich von ihren eigenen 35 Hektar Fläche gewinnen. Zur Ergänzung gibt es noch Kraftfutter von einem Bioland-Betrieb.

Seit 2009 führen Vater Theo und Sohn Michael den Hof gemeinsam.
Familie Schindele am Tisch im Garten
Das Grünfutter für die Kühe stammt von betriebseigenen Flächen.
Michael und Theo Schindele mit Grünschnitt
Die Kühe werden schon zeitig im Jahr auf die Weide gelassen.
Theo Schindele mit Kühen auf der Weide

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Zu tun gibt es immer etwas

40 Milchkühe und rund 20 Jungtiere sind zu versorgen. Die Milch wird täglich von der Allgäuer Firma Saliter abgeholt, die sie an die Käserei Stich liefert, aber auch zu eigenen Milchprodukten weiter verarbeitet. Was heute so selbstverständlich geschieht, musste Theo einst mit Kollegen erst erstreiten: "Wir haben die Bio-Milch-Vermarktung bei Saliter erst aufgebaut", erzählt er stolz und berichtet von den Verhandlungen mit der Firma und den Kollegen. Und wie so viele Bio-Pioniere jener Zeit beschränkte er sich nicht mit nur auf diese eine Baustelle: 18 Jahre lang engagierte er sich im Gemeinderat und seit Jahrzehnten ist er stellvertretender Vorstand der örtlichen Bioland-Gruppe.

Sohn Michael hält sich mit den Ehrenämtern zurück, denn er ist ja ständig auf Achse. Außerdem bauen die beiden 2010 den großflächigen Laufstall um. Da verbringt der Junior die freien Minuten auf der Baustelle.

Artgerechte Haltung und achtsamer Umgang mit der Natur bedeutet für die zwei mehr als der Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel: "Die Rinder sollen es gut haben." Auf feinster Einstreu dürfen sie liegen. Die beziehen Vater und Sohn direkt aus der Umgebung, über die Streuwiesen-Börse des Landratsamtes. So tragen sie gleich noch ihr Scherflein bei, dass die artenreichen Feuchtflächen weiter gepflegt und erhalten werden.

Theo Schindele hat die Bio-Milch-Vermarktung in der Region mit aufgebaut.
Theo Schindele mit Kühen
Sohn Michael ist ständig auf Achse - auf dem Betrieb oder auf dem Rest des Globus.
Michael Schindele auf dem Schlepper

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Kontrollierte Bio-Qualität

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch der Bioland-Hof der Familie Schindele mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der der Betrieb unter der Kontrollnummer D-BY-006-40529-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

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Ein vollständiges Bild vom Hof

Ein gutes Team: Michael und Theo Schindele.
Michael und Theo Schindele

Wenn es den Tieren gut geht, ist natürlich auch ihr Fleisch von besonderer Qualität. Das genießt Familie Schindele nicht nur hin und wieder selbst: Zweimal im Jahr wird geschlachtet und dann erhalten auch die meist langjährigen Stammkunden ihre Fleischpakete.

Damit sind nun alle Standbeine des Hofes genannt. Ein bisschen Wald hätte es noch gegeben – wenn ihn nicht Sturm Wiebke 1990 weggefegt hätte. Bis die neue Pflanzung nachgewachsen ist, werden noch etliche Jahre ins Land gehen. Doch dieses Mal ist kein schnell wachsendes, empfindliches Holz dabei: Mit intensiver Beratung haben Vater und Sohn Schindele einen naturnahen Mischwald aufgebaut.

Nähe zur Natur zeigt der Hof auch durch seine vielen Landschaftselemente: hier ein paar Obstbäume, dort die Bachufer mit ihren Hecken und Böschungen. Nicht zuletzt gibt es eine Pflanzenkläranlage, die der Natur alles Wasser, was am Hof gebraucht wird, gereinigt zurückführt. Denn da beim Haus eine Quelle entspringt, ist die Familie von der öffentlichen Wasserversorgung komplett unabhängig.

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