Biohof Oberschwaben



Aus drei mach eins

Jeder hat hier im Betrieb seine Aufgaben. Damit alles reibungslos läuft, müssen wir uns natürlich abstimmen. Von links nach rechts: Josef Weber, Georg Maikler, David und Philipp Weber.
Gesellschafter begutachten Sonnenblumen

Drei Betriebe gehören zur Biohof Oberschwaben GbR. Da ist zunächst der Hof meiner Eltern Josef und Paula Weber in Mettenberg, einem Ortsteil von Biberach. Hier nimmt die Betriebsgeschichte ihren Anfang. Schon seit über 200 Jahren gibt es diesen Hof und seit jeher ernährt er unsere Familie. Doch in den 1980er-Jahren, im Zuge der vielen Veränderungen in der Landwirtschaft stellte sich auch für meinen Vater die Frage: Wie lässt sich ein kleiner Hof so betreiben, dass er genügend abwirft? Außerdem kam ich, David, in ein Alter, wo ich daheim mitarbeiten wollte.

Zunächst entschied sich mein Vater für den ökologischen Landbau; ohnehin hatte er schon seit Jahren politisch in diese Richtung gearbeitet; noch heute vertritt er die Grünen im Kreis-, Stadt- und Ortschaftsrat. Mit dem Bioland-Beitritt 1990 öffneten sich für uns nicht nur neue, finanziell attraktive Vertriebswege, sondern meine Eltern konnten auch einen Hofladen eröffnen. Der lockt nach wie vor eine treue Kundschaft aus nah und fern. 2004 haben wir dann im acht Kilometer entfernten Heggbach einen zweiten Betrieb zugepachtet, und das ist seither mein Bereich.

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Wo jeder jedem hilft

Die Milchkuhherde hat vom Laufstall aus nach Belieben Auslauf ins Freie, den Sommer verbringen die Tiere selbstverständlich auf der Weide.
Kühe trotten aus Stall

Der dritte im Bunde ist mein Onkel Georg Maikler. Sein Hof liegt nicht weit entfernt in Eichen-Stafflangen und gehört seit 2007 zur Biohof Oberschwaben GbR. Doch auf längere Sicht bleibt es nicht bei dieser Dreier-Konstellation, denn mein Bruder Philipp steht in den Startlöchern und packt schon überall mit zu. Jeder von uns hat seine Aufgaben, die sich vor allem um Rinderhaltung und Landbau drehen. Bei mir am Hof stehen die Milchkühe, sie werden hier auch gemolken. Mein Vater kümmert sich um die Nachzucht, die Schweine und den Gemüseacker für die Direktvermarktung, während mein Onkel das Jungvieh hält.

Philipp ist in erster Linie für die Felderwirtschaft zuständig: Er kümmert sich um den Ackerbau und die Erzeugung des Viehfutters. Auf diesem halben Hektar Fläche ernten wir das Gemüse, das unsere Kunden im Hofladen einkaufen können. In der Hauptsache dreht sich seine Arbeit aber um die rund 80 Hektar Weide und Grünland sowie rund 160 Hektar Acker, die zu unserem Betrieb gehören. Bei diesen Zahlen wird natürlich schnell klar, dass zwar jeder von uns seine Aufgaben hat, aber trotzdem jeder jedem hilft. Die einzige, die ihren eigenen Bereich hat, ist meine Mutter: Sie betreut unseren Hofladen.

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Vieles hier läuft im Kreis

Ein geschlossener Betriebskreislauf ist für uns wichtig: Wir füttern unsere Tiere mit dem, was auf unseren Flächen wächst. Ihr Mist dient den Böden als Dünger.
Gesellschafter auf Rinderweide

Ein geschlossener Betriebskreislauf ist auf ökologisch bewirtschafteten Höfen sehr wichtig. Wir verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenbehandlungs- und Düngemittel und versuchen generell, ohne Zukauf von außen auszukommen. Das gelingt uns unter anderem, indem wir das Futter für unsere Tiere komplett selbst erzeugen. Außerdem bringen wir das, was die Rinder an Mist und Gülle ausscheiden, als Dünger wieder auf die Felder. Oder wir vergären es in unserer Biogasanlage, gewinnen daraus Energie und bringen die Gärreste als nahrhaftes Substrat in die Böden ein.

Wir bestellen die Äcker in Fruchtfolge, was uns zwei wesentliche Vorteile bringt. Zum einen können sich durch den steten Wechsel Krankheiten und Schädlinge nur sehr schwer ausbreiten. Zum anderen verhindern wir so, dass der Boden nur einseitig beansprucht und dadurch ausgelaugt wird. Eine Fruchtfolge beginnen wir mit Kleegras, einer genügsamen Pflanze, die den Boden vor Erosion schützt, ihn auflockert und ihm auf natürlichem Weg neue Nährstoffe zuführt. Später folgen anspruchsvolle Pflanzen wie Mais, Winterweizen oder Braugerste, anschließend Ackerbohnen, Futtergetreide und andere Kulturen, bis wir erneut mit Kleegras starten.

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Unseren Tieren geht es gut

Unsere Kühe geben dank der artgerechten Haltung und Fütterung eine Milch von hoher Qualität. Wir freuen uns, dass wir sie in unserer Region vermarkten.
Gesellschafter transportieren Milchkanne

Für unsere 120 Milchkühe, den Stier und ihren Nachwuchs gewinnen wir so das Futter. Im Sommer bekommen sie frisches Gras, vor allem direkt von der Weide, wo die meisten von ihnen die Tage verbringen. Zusätzlich geben wir ihnen Gras- und Maissilage, das heißt durch Milchsäuregärung konserviertes Futter, sowie Getreide- und Ackerbohnenschrot. Im Winter erhalten sie fast die gleiche Kost, nur dass es statt frischem Gras getrocknetes gibt. Auch auf Frischluft brauchen die Tiere dann nicht verzichten, denn an ihren Stall grenzt ein Laufhof, auf den sie gern hinausgehen.

Der Rinderstall ist ein sogenannter Laufstall: Er bietet den Tieren genügend Platz zum Ruhen, Fressen und Umhertrotten. Wir schreiben artgerechte Haltung groß. Deshalb lassen wir es auch den Schweinen und Hühnern, die bei meinen Eltern am Hof leben, an nichts fehlen. Wenn doch einmal ein Problem oder leichtere Krankheiten auftreten, verwende ich gern homöopathische Mittel. Zum Beispiel bei Entzündungen am Euter oder bei Fruchtbarkeitsproblemen konnte ich damit schon gute Erfolge erzielen.

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BW-006-14766-A geführt wird.

Weitere Informationen:

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Alles andere als einseitig

Zum Betrieb gehören auch ein Hektar Wald und etwa genauso viel Fläche mit Hecken und Feldgehölzen, aber auch Wiesen und Weiden, auf denen Streuobstbäume wachsen. Alles in allem gibt es bei uns dadurch viele Nützlinge und eine artenreiche Fauna. Ein besonderes Biotop erstreckt sich auch auf zwei Hektar Wiesen, unter anderem an Bachufern und Weihern. Hier dürfen wir nur zwei Mal im Jahr mähen, um die Amphibien und Brutvögel nicht zu gefährden.

Unser Holz nehmen wir gern zum Bauen und Heizen. Den Hauptanteil der Wärme erzeugt aber die Biogasanlage. Nicht zuletzt produzieren wir auch Strom mit einer Fotovoltaikanlage, doch der bleibt nicht am Hof, sondern wird ins öffentliche Netz eingespeist. So haben wir alle gemeinsam einen Betrieb geschaffen, der unseren Vorstellungen von nachhaltiger Landwirtschaft entspricht. Die Biohof Oberschwaben GbR kann jedem in der Familie, der mitmachen möchte, eine gute Perspektive bieten.

Es bleibt sogar Zeit für Ehrenämter: Während mein Vater sich in der Politik einsetzt, engagiert sich meine Mutter als Kirchengemeinderätin und wir alle drei sind im Musikverein. Außerdem bin ich Landesvorstand im Bioland-Verband von Baden-Württemberg und Vorstand in der MEG Süd, jener Milcherzeugergemeinschaft, die ihre Milch an die Weißenhorner Milchmanufaktur liefert.

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