Martinshof



Alle haben mitentschieden

Eine muntere Hühnerschar wird hier am Martinshof artgerecht nach ökologischen Richtlinien gehalten.
Betriebsleiter und Frau mit Hühnern auf Wiese

Der Martinshof im vorarlbergischen Buch hat viele Seiten: Einst ein klassischer Landwirtschaftsbetrieb, entwickelte er sich in den letzten Jahren zum regionalen Anbieter von Freilandeiern, Bio-Freilandeiern, Teigwaren und Dinkelprodukten. 2.700 Hennen leben dort nach ökologischen Richtlinien und legen Bio-Eier, von denen ein Teil direkt an die Kunden geht, ein weiterer am Hof zu hochwertigen Nudeln verarbeitet wird. Besonders stolz ist Familie Martin auf ihre Dinkelnudeln: "Wir sind praktisch die Einzigen, die Nudeln aus hundert Prozent Vorarlberger Dinkel und frischen Freilandeiern erzeugen."

Der Weg dahin war immer ein Familienprojekt. Schon mit 15 Jahren hat Bertram Martin sich für den Beruf als Landwirt entschieden: "Das war für mich sternenklar." Als sich Mitte der 1990er-Jahre die Hofübernahme abzeichnete, setzten sich alle gemeinsam an den Tisch und überlegten, wie es mit dem elterlichen Betrieb weitergehen könnte. "So kamen wir auf das Thema Freilandhühner." Und dann begann das Reisen: "In halb Europa" habe er sich Ställe angeschaut und "unendlich lang überlegt, wie es für die Tiere gut ist." Erst dann wurde gebaut, und zwar mit heimischem Holz.

 

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Bio kennt keine Grenzen

Das Ergebnis der Ansprüche, die Bertram Martin an die neuen Anlagen stellte, entsprach ohne weiteres Zutun den gängigen Öko-Richtlinien.

"Für Vorarlberg brauche ich die Zertifizierung als biologisch arbeitender Betrieb eigentlich nicht." Die Leute kennen den Hof, viele haben ihn schon persönlich besichtigt, spontan oder im Rahmen einer Exkursion. Das "Ländle" ist klein, die Qualität der Erzeugnisse vom Martinshof hat sich herumgesprochen.

Doch der Bregenzer Wald grenzt direkt an das Allgäu und die Bodensee-Region – und damit an ein weiteres, nahe gelegenes Einzugsgebiet des Unternehmens. Um auch für die deutschen Kunden Transparenz zu schaffen, trat Bertram Martin 2008 dem Verband Bio Austria bei. Es gehe ihm nicht darum, so viel Ware wie möglich oder rein in Österreich abzusetzen, betont der Öko-Bauer. Für ihn zählen vielmehr die kurzen Wege. Von geografischen Grenzen lässt er sich da nicht aufhalten.

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Es zählt der Inhalt und nicht die Story

"Das ist hier alles ganz langsam gewachsen. Schnelles Vergrößern brauchen wir nicht, für uns ist Nachhaltigkeit wichtig." Für die Martins zähle der Inhalt, nicht die Story darüber oder gar Fassaden außen herum. Ob Kunden oder Kollegen, Abnehmer oder Lieferanten, mit allen schätzt die Familie den regen Austausch und das gegenseitige Vertrauen. "Das sind keine Zweckbeziehungen! Das sind Partnerschaften auf Augenhöhe."

Bertram Martin erinnert sich: "Als wir 1995 mit den Eiern begonnen hatten, merkten wir bald, dass sie nicht reichen." Die Nachfrage war größer als erwartet. So sprach er einen seiner Mitarbeiter an, ob der nicht auch einen Hühnerstall bauen wolle. Der willigte ein, und es entstand ein zweiter Stall für abermals 3.000 Hennen. Heute arbeiten für die Martinshof Vertriebs GmbH schon fünf solcher Bauern aus der Gegend.

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Warum aus Eiern nun auch Nudeln werden

Das Angebot bestimmt die Produktion: Wenn genügend Eier zur Verfügung stehen, wird die Nudelmanufaktur gestartet.
Betriebsleiter überwacht Nudelproduktion
Für die Nudelproduktion wird ausschließlich Dinkelmehl von Partnerbetrieben verwendet.
Betriebsleiter

Als also endlich mehr Eier da waren, sah man sich auf dem Martinshof mit einer neuen Herausforderung konfrontiert: die saisonalen Schwankungen. "Während wir in der Backzeit die Nachfrage kaum decken konnten, blieben nach Ostern um die 30 Prozent der Eier übrig." So entstand Ende der 1990er-Jahre die Idee, daraus Nudeln zu machen. Anfangs experimentierten die Martins mit einer Tischpresse. Als darauf Freunde, Kollegen und später die ersten Kunden positiv reagierten, investierten sie in eine größere Nudelpresse, schließlich in eine Nudelstraße.

Und die leistet einiges. "Sobald an einem Tag 5.000 Eier übrig sind, starten wir die Produktion." Pro Tag läuft eine Charge, mal Spätzle, mal Penne, dann Dinkel-Hörnle oder Bandnudeln – im Schnitt entstehen zwischen 4.000 und 5.000 Packungen. Der tägliche Wechsel ermöglicht nicht nur bunte Vielfalt, sondern auch die klare Trennung zwischen Bio- und traditionell gefertigten Nudeln. Wobei der Hausherr wiederum betont: "Auch Nicht-Bio ist komplett ohne Zusatzstoffe."

Pro Produktionstag wird ausschließlich eine bestimmte Nudelsorte aus denselben Zutaten hergestellt – das sichert eine zuverlässige Rückverfolgbarkeit.
Frisch hergestellte Nudeln

Von jeder Zutat weiß er, wo sie herkommt. Die Eier stammen ausschließlich vom Hof oder von den Partner-Betrieben. Auch beim Getreide hat die Familie ein enges Netzwerk mit 25 Bauern aufgebaut. Sie alle leben in Vorarlberg und bauen Martinshof-Dinkel an, sechs davon nach Bio-Richtlinien. Für Bertram Martin zählt: "Sie kaufen ihr Saatgut nicht irgendwo, sondern bei uns." Schließlich stellt er hier wie bei den Hühnerhaltern höchste Ansprüche an seine Kollegen.

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Ein warmes Haus, das einfach nachwächst

Sogar die Energie fürs Trocknen der Nudeln kommt ganz aus der Nähe. Ein im Jahr 2003 eigens am Hof errichtetes Hackschnitzelwerk versorgt die Nudelstraße mit Wärme. Und damit nicht genug: Die Anlage speist auch die Heutrocknung sowie das Martinsche Wohn- und Elternhaus. Dabei verbraucht sie nur Holz, das vor der Haustür wächst, denn zum Betrieb gehören gute fünf Hektar Wald. "Sogar für unser Wohnhaus haben wir nur heimischen Wald verbaut." Es ist als Niedrigenergiebau konzipiert. "70 Quadratmeter Holz stecken hier drin. Das heißt, pro Jahr wächst in unserem Wald ein Drittel des Hauses wieder nach!" Seit 2009 wohnt und arbeitet der Bauherr hier, zusammen mit seiner Frau Claudia und dem Nachwuchs.

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Nur mit Hühnern gäb's keinen Viehscheid

Claudia hat Sozialpädagogik studiert, ist aber inzwischen am Hof voll eingespannt. Sie betreut den Unternehmensauftritt, managt das Büro und kümmert sich um die Buchhaltung. "Wir machen, was uns Freude macht und wollen es gern machen." Deshalb hat das Paar auch die Milchkühe nicht weggegeben. Von den 25 Tieren des elterlichen Betriebes gehören heute noch 15 zum Martinshof.

"Wir lieben die Tradition." Claudias Augen leuchten, wenn sie von Alpauftrieb und Viehscheid spricht. Die Mutterkühe traben jedes Frühjahr hinauf zur familieneigenen Alpe im Großen Walsertal, das Jungvieh genießt auf einer anderen Höhe die Sommerfrische. Alle Rinder haben Hörner und leben, wie die Hühner, artgerecht nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus.

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Umweltschutz in allen Ecken

Damit am Martinshof alles reibungslos läuft, wird das Ehepaar Martin von einem festen Stamm an Mitarbeitenden unterstützt.
Betriebsleiterehepaar und Mitarbeiterinnen

Von ihren 25 Hektar Grünland gewinnen die Martins das Futter für ihre Rinder und einiges mehr, was sie an Öko-Kollegen verkaufen. Sie pflegen zudem mehrere Streuwiesen, die ihnen Einstreu für den Kuhstall liefern. Solche Wiesen sind feuchte, artenreiche Lebensräume und stehen vielerorts unter speziellem Schutz. Doch hier in Buch gehören keine Einzelelemente, sondern gleich der ganze Betrieb zum österreichischen Umweltprogramm Öpul, so dass die gesamte Arbeitsweise am Hof gefördert und unterstützt wird. Weitere Naturnischen sind da mit eingeschlossen: Hecken, eine Streuobstwiese mit vielen Obstbäumen sowie wildwachsende Ecken, wo keine Maschine je hinkommt.

Sieben Mitarbeiter helfen, damit am Hof alles reibungslos läuft. Zwar bleibt nicht viel Zeit für Hobbys oder Ehrenämter, aber Claudia lässt es sich nicht nehmen, regelmäßig im Chor zu singen und beim Theaterverein mitzuspielen.

 

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch der Martinshof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bio Austria Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch.

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