Peter Großmann-Neuhäusler



Jedem sein Spielfeld

Mit Möhren hat meine Laufbahn als Öko-Landwirt begonnen.
Betriebsleiter und Kinder mit frisch geernteten Möhren

Unser Hof im oberbayerischen Pasenbach ist ein klassischer Ackerbaubetrieb, wo Kartoffeln, Karotten, Kohl, Gurken, Sellerie und andere Gemüse wachsen. Ich, Peter Großmann-Neuhäusler, bin von ganzem Herzen Ackerbauer. Deshalb passte es gut, als mein Vater und ich Anfang der 1990er-Jahre eine Anzeige entdeckten, mit der ein bekannter deutscher Babykost-Hersteller Bauern suchte, die Karotten anbauen. Nicht irgendwelche Möhren, sondern frei von jeglicher Chemie sollten sie sein.

Bis dahin hatten mein Vater und ich konventionell Schweine gehalten und Kartoffeln kultiviert. Doch durch diese Anzeige sah ich die Möglichkeit, etwas Neues zu probieren. Die Idee, ungespritzte Möhren zu erzeugen, reizte mich. Ich wollte beweisen, dass das geht. Mein Vater hatte damals die Hofübergabe so eingefädelt, dass mir genügend unternehmerische Freiheit blieb, meinen Weg zu gehen. Denn jeder von uns hatte seinen eigenen Betrieb. Das hat mir übrigens so gut gefallen, dass ich es heute mit meinen Söhnen genauso mache: Sie versorgen ihr eigenes Land. Auch meine Frau Barbara führt seit jeher den eigenen Öko-Betrieb.

Mittlerweile ist der Anbau von verschiedenen Feldgemüsen für Sauerkonserven "mein Ding".
Betriebsleiter versorgt Gemüsepflanzen
Außer Rote Bete, Sellerie, Gurken und anderem Gemüse bauen wir auch Kartoffeln und Soja an.
Betriebsleiter mit Mitarbeitern vor Traktor
krautbekämpfung auf ökologische Art bedeutet viel Handarbeit.
Mitarbeiter jätet Unkraut

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Starker Boden, starke Pflanze

Die Böden halten wir mit einer sinnvoll aufeinander abgestimmten Fruchtfolge fruchtbar.
Betriebsleiter und Mitarbeitende im Gemüsefeld

Bis in die 1990er-Jahre mästete ich noch Schweine, dann begann mein "Karotten-Experiment". Es klappte gut ohne chemisch-synthetische Pflanzenbehandlungs- und Düngemittel, und ich entwickelte ein feines Gefühl für Boden und Pflanzen. 1994 stellte ich auf Öko-Landbau um. Bei all dem geht es nicht nur um das Unkraut jäten von Hand! Indem wir zum Beispiel die Äcker im Fruchtwechsel bestellen, bleiben für Schädlinge kaum Chancen, sich auszubreiten. Außerdem laugt der Wechsel die Böden weniger aus.

Neue Kraft bekommt die Erde auch, wenn Kleegras darauf wächst. Das ist eine Pflanze, die ganz natürlich Stickstoff ins Erdreich bringt und es mit ihren Wurzeln auflockert. Über die Jahre konnte ich sogar beobachten, dass das Bodenleben durch solche Zwischenfrüchte zunimmt. Zusätzlich hilft ein weiterer "Energiemix": der Gärrest aus unserer Biogasanlage. Er steckt voller Nährstoffe, ist gut lagerbar, und ich kann ihn wie Gülle auf den Feldern ausbringen. Vor allem im Frühjahr, wenn die Felder zum ersten Mal wieder bestellt werden, greife ich gern darauf zurück.

Zur Erntezeit werden wir von Saisonarbeitskräften unterstützt.
Mitarbeitende am Sortierband für Gurken
In der Biogasanlage werden Abfälle von unserem Hof und von benachbarten Betrieben vergärt.
Betriebsleiter mit zwei Mitarbeitern vor Biogasanlage
Die Energie, die wir mit der Fotovoltaikanlage gewinnen, speisen wir ins öffentliche Netz.
Fotovoltaikmodule auf Gebäudedach

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Zwischen Feldarbeit und Schreibtisch

Die Biogasanlage betreibe ich seit 2006. Sie vergärt Kleegras und Mais von unserem Hof, aber auch von einigen Kollegen, ebenso wird sie mit Rindermist betrieben. Mit dem entstehenden Gas wird ein Blockheizkraftwerk gespeist, das nicht nur Wärme für unser Wohnhaus, sondern für mehrere Unternehmen im örtlichen Gewerbegebiet erzeugt und so viel Strom generiert, dass er fast für die ganze Gemeinde Vierkirchen reichen würde. Er geht ins öffentliche Netz – ebenso wie die Energie, die wir mit unserer hauseigenen Fotovoltaikanlage produzieren.

All das macht meine Arbeit sehr vielseitig. Nur rund 50 Prozent der Zeit verbringe ich auf den Feldern, der Rest vergeht mit Organisation, Einkauf, Vermarktung und anderem. Insgesamt bewirtschafte ich 130 Hektar Land; auf rund 30 davon wachsen Kartoffeln, auf 20 Kleegras, auf zehn Hektar Soja. Die anderen Gemüseflächen sind zwischen sechs und zwei Hektar groß. Im Schnitt ist die Arbeit gut zu schaffen; ein Angestellter und ein Betriebshelfer unterstützen mich dabei. Während der Ernte kommen zusätzlich rund 20 Saisonkräfte zum Arbeiten an den Hof.

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bio-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Biokreis-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BY-001-0177-ABD geführt wird.

Weitere Informationen:

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Ein Beruf, der Zukunft hat

Das Interesse an der Landwirtschaft ist auch schon beim Nachwuchs geweckt.
Betriebsleiter mit Familie im Gemüsefeld

So gestalten sich meine Alltag relativ geregelt. Ein ruhiger Sonntag, Freizeit, Urlaub, für alles bleibt Raum. – Ich kann doch nicht erwarten, dass meine Kinder eine Leidenschaft für Landwirtschaft entwickeln, wenn ihr Vater nur Stress hat! Außerdem wehre ich mich gegen das pessimistische Bild, das zurzeit vorherrscht: Ich sehe Perspektiven als Landwirt und freue mich, dass alle meine fünf Kinder am liebsten auch in diese Richtung gehen möchten.

Meine Ideen trage ich nicht zuletzt in die Politik. Als CSU-Gemeinderat setze ich mich in der Kommunalpolitik ein, bisher sogar als einziger Vertreter der Landwirtschaft. Es ist mir einfach wichtig, Farbe zu bekennen und die Geschehnisse aktiv mitzugestalten. Spielraum dafür lässt mir auch mein Ehrenamt als Vorsitzender des Arbeitskreises Bio-Produktion in der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V.). Der Arbeitskreis besteht aus deutschen, zum Teil europäischen Öko-Landwirten, die regelmäßig aktuelle Fragen der Betriebswirtschaft, Produktionstechnik und Marktwirtschaft erörtern. Und weil aller guten Dinge drei sind, engagiere ich mich darüber hinaus als Ortsobmann im Bauernverband.

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