Bioland-Hof Baier



Hier führen zwei Brüder das Steuer

Die Arbeit am Hof ist auf mehrere Schultern verteilt, so dass jedem von uns auch Zeit für Familie und Freizeit bleibt.
Familie auf Terrasse

Unser Hof liegt in Ritteln, einem kleinen Dorf bei Grünkraut südöstlich von Ravensburg. Die Landschaft hier ist ländlich geprägt; wir sind umgeben von Feldern, Wiesen und Waldstücken. Insgesamt 90 geschützte Biotope gehören zur Fläche unserer Gemeinde, was auch bedeutet, dass hier relativ viele Landwirte naturnah arbeiten.

Schon unser Vater hat den Hof extensiv bewirtschaftet. Er entwickelte den Betrieb nicht in Richtung intensive Landwirtschaft, sondern ließ seinen 30 Milchkühen viel Platz auf den Weiden und versorgte sie großteils mit auf seinen Wiesen selbst erzeugtem Futter.

Heute betreiben mein Bruder Manfred und ich, Berthold Baier, den Hof nach ökologischen Richtlinien. Seit 1999 gehören wir zum Bioland-Verband. Die Idee dazu war über längere Zeit in uns herangereift, und schließlich waren es ökologisch arbeitende Nachbarn, die uns darin bestärkten.

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Bei uns kann jeder mal frei machen

Unser Obstbaumbestand umfasst die verschiedensten Apfelsorten, darunter auch alte Sorten, wie Brettacher, Jakob Lebel und der Rheinische Bonapfel.
Betriebsleiter begutachten Äpfel am Baum

Für mich stand schon von Kind auf fest, dass ich Landwirt werden wollte. Schließlich sind wir an einem Bauernhof aufgewachsen. So absolvierte ich zunächst wie mein Bruder eine Ausbildung im Handwerk, doch dann verlief alles anders als geplant. Ich war gerade 22 Jahre alt, als mein Vater unerwartet verstarb, und da wir den Hof erhalten wollten, galt es für uns schnell zu handeln.

Zusammen mit unserer Mutter führte ich den Hof weiter und bildete mich nebenher zum Landwirt bis hin zum Meistertitel fort. Schon 1995 entschied sich auch Manfred, daheim mitzuarbeiten, was für Mutter und mich eine Entlastung bedeutete. Für ihn war es die Chance zu einem Neuanfang, denn in seinen bisherigen Berufen – anfangs am Bau, später im Büro – fühlte er sich nicht wohl.

Während Manfred zunächst als Angestellter half, gingen wir schon Ende der 1990er-Jahre zur Gründung der Baier GbR über, so dass er seither gleichberechtigt mitwirken kann. Ein weiterer Vorteil für uns beide: Jeder kann mal frei machen, und wir teilen die Arbeit auf.

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Das Futter der Kühe erzeugen wir selbst

Auch meine Frau Leonie packt am Hof mit zu und bringt viel Wissen aus ihrer vorherigen Arbeit in einer Gärtnerei mit ein. Seit unser Nachwuchs da ist, kümmert sie sich aber vor allem um unsere zwei Kinder. Wobei auch unsere Mutter Martha sich als sehr aktive Oma zeigt. Am Hof hilft sie uns viel und pflegt zudem das Grün drumherum sowie den Gemüsegarten auf dem Acker.

Inzwischen halten wir 50 Milchkühe und kümmern uns um 60 Hektar Land. Rund zwei Drittel davon sind Grünflächen, wo wir das Futter für unsere Tiere gewinnen: Im Sommer bekommen sie das frische Gras von den Weiden und etwas Heu, im Winter fressen sie vor allem Heu (so heißt der erste Schnitt der Wiesen) und Grummet (so heißen der zweite und die folgenden Schnitte).

Unser Kühe haben übrigens alle Hörner und leben gemäß den Öko-Richtlinien artgerecht. Das heißt unter anderem, ihnen steht nicht nur auf den Weiden, sondern auch im und am Stall genügend Platz zur Verfügung. In ihrem Laufstall und dem angrenzenden Laufhof können sie nach Belieben ruhen, fressen und umherlaufen. Zwei Stiere sorgen auf natürlichem Weg für Nachwuchs.

Weitere 13 Hektar Land bestellen wir als Acker und bauen dort verschiedene Sorten Getreide an. Es bleibt ebenso am Hof und dient den Kühen als Kraftfutter. Da wir als Öko-Bauern nirgendwo synthetische Pflanzenbehandlungs- oder Düngemittel einsetzen, stimmen wir die Getreidekulturen so aufeinander ab, dass die Böden nicht ausgelaugt werden oder dass sich Schädlinge ausbreiten.

Deshalb arbeiten wir mit Fruchtfolgen: Auf anspruchsvolle Pflanzen wie Speisegetreide folgt genügsameres Futtergetreide. Schon durch diesen Wechsel stören wir die Vermehrung von Schädlingen und Krankheiten. Damit der Boden sich erholen und neue Nährstoffe aufnehmen kann, schließen wir die Fruchtfolge stets mit Kleegras ab, das auf natürliche Weise Stickstoff ins Erdreich bringt und es mit seinen Wurzeln auflockert.

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Unser Obst kommt von besonderen Bäumen

Vor eine interessante und für die Gegend traditionelle Aufgabe stellen uns unsere Streuobstwiesen. Auf rund eineinhalb Hektar Fläche wachsen um die 60 Bäume, zu denen wir immer wieder neue hinzupflanzen. Hier wachsen die verschiedensten Sorten von Brettacher über Jakob Lebel bis hin zum Rheinischen Bonapfel, so dass wir im Herbst viel aromatisches Obst ernten können.

Nur ist die Ernte nicht ganz einfach, denn wie der Name schon sagt, "streut" das Obst. Es wird also nicht wie in Plantagen gepflückt, sondern vom Boden aufgelesen, nachdem der Wind oder wir selbst die Bäume geschüttelt haben. Streuobstwiesen wie unsere gehören zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas und stehen unter Schutz.

Bäumchen, schüttel dich; Bauer, bück dich: Die Äpfel unserer hochstämmigen Bäume lesen wir von Hand auf.
Beide Betriebsleiter bei Apfelernte
Unsere aromatischen Äpfel werden in der Region zu Saft verarbeitet.
Betriebsleiter mit frisch geernteten Äpfeln

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BW-006-14503-ABD geführt wird.

Weitere Informationen:

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Unsere Familie hat Musik im Blut

Nicht zuletzt gehören dreieinhalb Hektar Wald zu unserem Hof. Aus ihm gewinnen wir zum Beispiel das Holz zum Heizen unserer Wohnhäuser, also für mein und Manfreds Haus. Außer den Holzheizungen betreiben wir Fotovoltaikanlagen. Doch deren Strom nutzen wir nicht selbst, sondern speisen ihn ins öffentliche Netz.

Elektrisierend geht es auch in unserer Freizeit zu: Leonie spielt im Musikverein Schlagzeug und Manfred ist Hobbymusiker in diversen Bands zwischen Dixieland und Soul. Ich selber bin im Verein als Blasmusiker, engagiere mich aber auch als Gruppenvertreter bei Bioland.

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