Eggerhof



Aus eins mach zwei

Seit 2001 habe ich meinen eigenen Betrieb.
Betriebsleiterpaar vor Palettenstapel mit Eiern

Wir sind eine kleine und noch recht junge Mannschaft, die sich hier am Eggerhof in Salgen (Unterallgäu) um eine muntere Schar Legehennen kümmert. Auch der Betrieb ist noch relativ jung: 2001 haben wir ihn ins Leben gerufen. Doch trotz aller Jugend gehörten zum Startpaket viel Wissen und Erfahrung und die umfassende Rückendeckung meiner Eltern. Als ich, Philipp Egger, mich Ende der 1990er-Jahre im Alter von 15 Jahren entschlossen hatte, wie meine Eltern Hans und Marlene Landwirt zu werden, schlugen sie vor, gemeinsam einen Weg zu suchen, wie wir den Hof weiterführen könnten, und zwar so, dass er für uns alle genügend abwirft. Natürlich habe ich noch die Schule abgeschlossen und die Landwirtschaftslehre absolviert. Danach aber haben die zwei kein Risiko gescheut und sind wie ich mit der Hühnerhaltung ins kalte Wasser gesprungen. Zugleich zeigten sie mir volles Vertrauen, denn es ist schon extrem selten, dass jemand mit nicht einmal 20 Jahren einen eigenen Betrieb führt.

Was wir damals gemacht haben? Wir haben den klassischen Milchviehbetrieb meiner Eltern so umgekrempelt, dass aus einem Betrieb zwei werden konnten. Statt der 40 Milchkühe mit ihrem Jungvieh halten wir heute Tausende Legehennen in artgerechter Tierhaltung. Für uns alle hat das prima funktioniert. Beide Betriebe werden als Bioland-Betriebe geführt. Das war ganz selbstverständlich, denn der Hof meiner Eltern ist seit 1979 als Öko-Betrieb anerkannt, und bei der Umstrukturierung haben wir diese Standards natürlich beibehalten. Ich bin gestartet mit zehn Hektar Land und einem Volierenstall, in dem 3.000 Hühner Platz finden. Heute betreuen meine Frau Maria und ich zwei solcher Ställe und bestellen 22 Hektar Land.

Warum wir auf Bio setzen

Ich bin auf einem Öko-Betrieb aufgewachsen; klar, dass ich mich beim eigenen Hof auch für Öko entschieden habe.
Betriebsleiter in Lieferwagen mit Eierkartons

Für die Nachbarn ist alles hier der Eggerhof, niemand unterscheidet zwischen unseren Betrieben. Das ist ganz interessant, weil der Name Egger erst mit meinem Vater hier Einzug hielt: Vorher gehörte der Hof über Generationen zur Familie meiner Mutter. Diese langen Familientraditionen sind in der Gegend nichts Seltenes. Noch heute bestimmt hier im Mindel-Tal die Landwirtschaft das Bild. Die Gegend ist eher flach, nur hin und wieder hügelig, sehr grün und von vielen kleineren Ortschaften durchzogen.

Wenn man hier aufwächst und noch dazu in einem Öko-Betrieb, scheint es fast selbstverständlich, dass man direkt in die elterlichen Fußstapfen tritt. In der Tat wäre für mich nie etwas anderes als die ökologische Landwirtschaft infrage gekommen. Meinen Betrieb konventionell zu führen, war mir nie eine Überlegung wert, auch wenn ich in der Lehre und später bei der Fortbildung zum Meister auch solche Betriebe kennengelernt habe.

Im ökologischen Landbau fasziniert es mich immer wieder, wie die Natur ihre Sachen selbst regelt. Außerdem haben die Tiere mehr Platz, und ich kann ihnen mehr Zeit widmen. Einen anderen Weg als den ökologischen – der sich bei aller Emotionalität auch finanziell lohnt – kann ich mir nicht vorstellen.

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Die Hennen sind wie ein Barometer

Der Wintergarten ist hell und bietet unseren Legehennen ausreichend Platz.
Hühner im Wintergarten

Unsere beiden Ställe sind sehr geräumig, und unseren Hühnern steht mehr Platz zur Verfügung als im ökologischen Landbau eigentlich vorgeschrieben ist: Statt sechs Tieren halten wir nur durchschnittlich vier bis fünf auf einem Quadratmeter. Sie können scharren, sich ihre Körner selbst suchen, es sich auf Sitzstangen bequem machen, im Wintergarten Licht und frische Luft tanken und in der wärmeren Jahreszeit viel Auslauf im Freien genießen. Zwei Völker zu je 3.000 Hühnern leben in Gruppen von je 500 Tieren, sogar ein paar Hähne haben wir mit im Stall.

Hektisch oder laut geht es nicht zu - aber die Tiere sind wie ein Barometer: Man merkt stark, wie man selbst mit ihnen umgeht. Wenn ich ruhig bin, überträgt sich das, wenn ich fahrig bin, spiegelt sich das ebenso wider.

Das Futter stammt von unseren eigenen Flächen und von einem Öko-Betrieb, dem wir im Austausch Hühnermist als Dünger liefern.
Betriebsleiter füttert Hühner

Als Futter erhalten die Hühner Bioland-Weizen, den wir einstreuen, so dass die Tiere ihren natürlichen Such- und Scharrtrieb ausleben können. Weiter besteht das Futter aus Mais, Grascobs, Sonnenblumenkuchen, Hafer, Triticale und anderen Bio-Zutaten. In diesem Futter sind weder gentechnisch veränderte Pflanzen noch synthetische Farbstoffe enthalten. Je nachdem, was Klima und Boden hergeben, erzeugen wir soviel Futter wie möglich bei uns am Hof selber. Futtergetreide müssten wir zukaufen, aber da haben wir eine Kooperation mit einem Öko-Betrieb in der Region und tauschen sozusagen das Getreide gegen Hühnermist, ein beliebtes Düngemittel, ein.

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So bleibt der Boden fruchtbar

Unsere Flächen bewirtschaften wir in Fruchtfolge. Das heißt, wir stimmen die Reihenfolge der Saaten so aufeinander ab, dass der Boden und die darin enthaltenen Nährstoffe optimal ausgenutzt werden. Einige Hektar belassen wir als Wiesen; es sind sogar Streuwiesen darunter, also Flächen, die wegen ihres Artenreichtums einen besonderen Schutz bekommen und nur ein oder zwei Mal im Jahr gemäht werden dürfen. Auf den Ackerflächen gedeihen verschiedene Kulturen. Im Allgemeinen beginnen wir die Fruchtfolgen mit Kleegras, denn es verbessert die Bodenstruktur und bringt Stickstoff, einen wichtigen Dünger, in die Erde ein. Darauf folgen anspruchsvollere Pflanzen wie Getreide. Als Winterfuttergetreide pflanzen wir Weizen, als Sommerfuttergetreide ein Hafer-Erbsen-Gemisch. Dann – je nachdem, was der Boden noch hergibt – folgen Wintertriticale oder Hafer, also erneut Getreidesorten, oder Leguminosen wie Erbsen und Ackerbohnen, die wie das Kleegras den Boden wieder aufbessern. Daneben produzieren wir Speisekartoffeln und Speisegetreide sowie Grünmehlcops aus dem Gras der Wiesen.

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Kontrolliert und zertifiziert: Unsere Bio-Erzeugnisse

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof regelmäßig auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer D-BY-006-40086-A geführt wird.

Weitere Informationen:

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Und auch hier stecken wir Energie rein

Ausgleich zur Arbeit finden wir, wenn wir mit der Familie zusammen sind.
Betriebsleiter mit Familie und Eltern am Tisch auf Terrasse

Dass wir erneuerbare Energiequellen nutzen, ist für uns selbstverständlich. Unsere Hackschnitzelheizung befeuern wir mit dem Holz aus dem Wald meiner Eltern. Die Dächer der Ställe haben wir mit Fotovoltaikanlagen bestückt.

Von meinen drei Geschwistern hat übrigens noch jemand das "Landwirtschafts-Gen" geerbt: Meine älteste Schwester Regina hilft am Hof bei den Büroarbeiten. Doch bei aller Begeisterung für unseren Beruf sind wir auch froh, dass die Aufbauphase des Betriebes nun abgeschlossen ist. Und jetzt verfolgen wir das Ziel, vom Hof gut leben zu können. Jetzt bleibt meiner Frau Maria und mir auch mehr Zeit für unsere Tochter. Wir arbeiten auch daran, dass auch für andere Dinge des Lebens ein wenig Zeit übrig bleibt. Maria hat zum Beispiel drei Haflinger als Hobby, und ich bin eigentlich ein leidenschaftlicher Fußballspieler. Was ich nie vernachlässigt habe, sind meine Ehrenämter. Wie mein Vater bringe ich mich gerne in der Verbandsarbeit ein und so engagiere ich mich im Geflügelfachausschuss des Bioland-Verbandes und im Lehrlingsprüfungsausschuss.

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