Ries-Hof



Pachtbetrieb in der Hildesheimer Börde

Als Demeter-Betrieb wirtschaften wir nach den Grundsätzen des biologisch-dynamischen Landbaus.
Schild Ries-Hof

Unser Betrieb liegt in dem kleinen niedersächsischen Ort Berel am Rande der Hildesheimer Börde - ein Landstrich, der sich durch seine ausgesprochen guten Lösslehmböden auszeichnet. "Am Rande" bedeutet, dass wir auch Böden haben, deren Lößlehmdecke dünn ist; ein Kreide-Kalk-Zug (Bodenwelle) zieht an Berel vorbei. Diese Böden sind trockengefährdet und auch nicht tiefgründig. An anderer Stelle – auf Kuppen von Bodenwellen – ist die Lösslehmauflage von Wind und Wasser erodiert, so dass der darunter befindliche Ton zum Vorschein kommt und mit beackert wird.

Ansonsten gehören die Böden zu den fruchtbarsten, die es in Deutschland gibt. Sie bieten eine hervorragende Basis für die Landwirtschaft. So gedeihen auch unsere Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Rote Bete hier prächtig. Rund um den Hof haben wir 40 Hektar Ackerfläche; weitere 17 Hektar Weidefläche liegen bei Hannover in der Leine-Aue.

Wir bauen u.a. Möhren, Zwiebeln, Rote Bete und Kartoffeln an.
Hofansicht rückseitig
Vor der Aussaat wird auf den Möhrendämmen das Unkraut abgeflammt.
Traktor mit Abflammgerät auf Möhrenkulturen
Auf dem Kartoffelroder werden beschädigte Kartoffeln aussortiert.
Personen am Verlesetisch von Kartoffelroder

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Ökologischer Landbau: Die "freundliche" Landwirtschaft

Wir haben unseren Betrieb 1985 übernommen und auf die ökologische Bewirtschaftung umgestellt; seit 1990 verfügen wir über die Demeter-Anerkennung. Als Bauernsohn hatte ich, Hans Löhr, intensive Einblicke in die konventionelle Landwirtschaft und konnte mir für mich nicht vorstellen, so zu wirtschaften.

Mit dem Engagement in der Anti-Atomkraft-Bewegung begegnete ich einer anderen, wie ich fand "freundlicheren" Art der Landbewirtschaftung; zunächst dem organisch-biologischen Anbau nach Müller–Rusch. Dieses neue Wissen sog ich förmlich in mich ein.

Schließlich stieß ich auf den biologisch-dynamischen Anbau. Das war für mich eine faszinierende Welt mit einer ganz neuen Sicht auf die Phänomene des Lebens - vieles unverständlich, manches obskur, aber ein Universum an Naturdurchdringung und Naturerkenntnis. Daraus bildete sich ein Ideal: die Landwirtschaft als in sich geschlossenen (Betriebs-)Organismus zu entwickeln.

Biologisch-dynamischer Landbau stellte sich für mich als die konsequenteste und kompromissloseste Form biologischen Wirtschaftens dar. So entschied ich mich, sie zu meiner Sache zu machen und auf unserem Hof, den wir in Berel als Pachtbetrieb übernahmen, umzusetzen.

Notwendig zum Kräfte sammeln und immer wieder schön: Vesper während der Kartoffelernte.
Fünf Personen mit Vesper auf Acker
Ein wichtiges Element des bio-dynamischen Landbaus ist die Zubereitung der Präparate.
Mann rührt in großem Fass
Hier wird das Präparat ausgebracht und der Weizen zur Unkrautregulierung "gestriegelt".
Traktor mit Spritze und Striegel auf Acker

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Betriebskonzept: Vielseitigkeit

Unser Betrieb hat mit Bedacht keinen ausgesprochenen Schwerpunkt. Wir streben eine gewisse Vielseitigkeit an, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt der Risikominimierung. Eine Säule unseres Betriebes ist der Getreideanbau von Weizen, Roggen und Dinkel. Auf den Lösslehmböden der Hildesheimer Börde erzielen wir gute Qualitäten und Erträge. Das Getreide wird mit dem Erntegut zweier befreundeter Demeter-Höfe zu einheitlichen Qualitäten gemischt, von einer nahe gelegenen kleinen Mühle vermahlen und an die Demeter-Bäckereien in der Region geliefert. Die gemeinschaftliche Vermarktung von Getreide betreiben wir seit mehreren Jahren.

Eine weitere Säule unseres Betriebes stellt der Kartoffelanbau dar, der mit unseren hofeigenen Maschinen erledigt werden kann; das bedeutet zeitliche Unabhängigkeit, die während der Erntezeit von Bedeutung ist.

Auch Zwiebeln gedeihen auf unseren fruchtbaren Böden zu schmackhaft-würzigen Exemplaren heran. Gute Erfahrung haben wir beim Zwiebel- und Möhrenanbau mit der Dammkultur gemacht. So können die Pflanzen "fußtrocken" wachsen und sind weniger anfällig gegenüber Pilzkrankheiten.

Unsere Zwiebeln bauen wir ebenso wie die Möhren auf Dämmen an.
Zwiebeln roden
Um das Unkraut einzudämmen, wird es abgeflämmt.
Unkraut in der Zwiebelkultur wird abgeflämmt
Boden und Klima sind wichtig zur Entfaltung des würzigen Aromas.
Reihe mit roten Zwiebeln, dazwischen blühende Beikräuter

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Möhren mit Aroma und Biss

In der Dammkultur setzen wir die Fronthacke zur maschinellen Unkrautregulierung ein.
Fronthacke auf Dammkultur

Der Feldgemüseanbau bildet die dritte Betriebssäule. Auf mehr als der Hälfte der für den Möhrenanbau zur Verfügung stehenden Fläche bauen wir Speisemöhren an. Wir kultivieren die Sorte Rodelika aus biologisch-dynamischer Saatgutzüchtung. Mit ihrem kräftig-aromatischen Geschmack eignet sie sich hervorragend als Kochgemüse und aufgrund des intensiven Kauerlebnisses auch als Rohkost.

Seit einigen Jahren sind wir dazu übergegangen, den Betrieb auf Sorten aus biologischer bzw. bio-dynamischer Pflanzenzüchtung umzustellen. Überzeugt hat uns hierbei vor allem die Schwerpunktsetzung auf Nahrungsmittelqualität und Geschmack. Von einigen Sorten sind wir regelrecht begeistert; die Möhrensorte Rodelika zum Beispiel schmeckt unserer Meinung nach unvergleichlich gut!

Im jungen Möhrenbestand ist das Jäten eine mühselige Handarbeit.
Mann liegend auf Jätvorrichtung
Die Saftmöhren werden mit dem vollautomatischen Roder geerntet.
Zwei Traktoren mit Roder bzw. Anhänger beim Verladen
Frühe Bund-Möhren werden von Hand gerodet und direkt ausgelesen.
Mann und Frau mit Kisten in Möhrenacker

Ein Drittel der Möhren bauen wir als Saftmöhren für eine Demeter-Saftkelterei an. Die restlichen Möhren vermarkten wir als Speisemöhren direkt ab Hof und über Kollegen und Naturkostläden. Wenn alle Marktpartner ein Interesse an samenfesten Sorten mit ihrer überzeugenden Nahrungsqualität haben, kann fast vollständig auf den Anbau von Hybridsorten verzichtet werden. Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Hybridsorten, die sich für den Wiederanbau nicht eignen, können bei einer so genannten samenfesten Sorte die Samen als Saatgut verwendet werden.

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Last but not least: Bullenmast

Während meiner Lehre auf dem Demeter-Betrieb Schloss Hamborn nahe Paderborn ist meine Liebe zu Tieren entstanden. Für unseren Betrieb entschieden wir uns, Bullen zu halten. Durch die Milch-Kontingentierung war zur Zeit der Betriebsübernahme Mitte der 80er-Jahre der Weg zur Milchviehhaltung gerade verbaut worden. Die Bullenmast also bildet die letzte Säule des Betriebsorganismus. Bei den Bullen handelt es sich um die vom Aussterben bedrohte Rasse des Harzer Rotviehs (Zuchtrichtung Alter Angler). Die Jungtiere bekommen wir von befreundeten Betrieben in der Region, die Rotviehherden als Milchvieh halten.

Die Jungbullen weiden am Hof, dann von Mai bis November auf unserer Weide bei Hannover.
Rinderweide
Die letzten Monate der Mast verbringen die Bullen in großzügigen Laufställen am Hof.
Mann mit Schubkarre in Kuhstall
Unser Saatgut stammt aus Bio-Zucht; es wird pneumatisch in zwei Reihen pro Damm "gedrillt".
Drillmaschine in Dammkultur

Als Grundfutter für die Tiere bauen wir ein Luzerne-Gras-Gemenge an. Der Anbau bedeutet gleichzeitig eine wichtige zweieinhalbjährige Ruhepause für den Boden, während der dieser regenerieren und Nährstoffe ansammeln kann. Die Luzerne mit ihrer tiefen Durchwurzelung scheint auch der Grund dafür zu sein, dass wir seit über 20 Jahren ohne Kalkung die ph-Werte der Böden halten und teilweise sogar noch verbessern konnten.

Unsere 20 Hühner und zwei Ziegen sehen wir eher als Hobby. Der Mist aller Tiere wird verkompostiert und oberflächlich zur "Fütterung" des Bodenlebens ausgebracht.

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Kontrolliert und zertifiziert: Unsere Produkte sind garantiert "öko"

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Demeter-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer D-NI-021-5001-A geführt wird.

Zusätzlich sind wir nach dem Qualitätssicherungsstandard GLOBALGAP (ehemals EurepGAP) zertifiziert, der insbesondere die Punkte Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitnehmerschutz berücksichtigt.

Weitere Informationen:

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Umweltschutz und cleveres Energiemanagement

Wir legen neue Hecken an und pflanzen Obstbäume und Beerensträucher.
Drei Personen bei jungem Baum

Seit 1995 haben wir rund ein Dutzend großflächige Hecken angelegt. Mit fünf Metern Breite und insgesamt 1,8 Kilometern Länge haben wir auf diese Weise der Landschaftsgestaltung und Nützlingspflege bis 2007 gut 9.000 Quadratmeter Ackerland zukommen lassen. Seit einigen Jahren fügen wir verstärkt Obstbäume und Beerensträucher in die Hecken ein. Auch achten wir darauf, dass zu jeder Zeit blühende Büsche vorhanden sind. Außerdem pflegen wir Feuchtbiotope.

2003 haben wir auf dem Scheunendach eine Fotovoltaikanlage errichtet, mit der etwa 3.500 bis 4.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt wird. Seit Langem verfügt der Hof zudem über eine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung. Die Heizungsanlage wurde auf Holz-Hackschnitzel umgestellt, so dass auch Holz aus unseren Hecken in den Energiekreislauf einfließen kann.

Seit 2000 wird unser gesamter betrieblicher und privater Strombedarf über regenerative Energien gedeckt. Der Wechsel zu einem Naturstrom-Anbieter ist unglaublich einfach und - wenn überhaupt - nur unwesentlich teurer als der zum Großteil aus Atomkraft gewonnene Strom der örtlichen Stromanbieter.

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